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Maler Manfred Wöhlcke startet mit „Ars Nova“ Galerie in Hinterschmiding
Oft erkennt man als „Zugroaster“ leichter, was in einer Region fehlt - vor allem dann, wenn man auch Künstler ist. Manfred Wöhlcke ist seit 2002 im Bayerischen Wald, in der idyllischen Gemeinde Hinterschmiding, die vor allem durch ihre Chorwoche internationales Publikum anzieht. Und er fand: In dieser Region fehlt eine Galerie, in der sich Künstler aus der Dreiländerregion präsentieren können und in der sich Publikum ohne Schwellenangst mit zeitgenössischer Kunst beschäftigen kann. Nach längerer Orientierung und Suche hat er zum Naheliegenden gegriffen: Als Nachbar des wunderbar restaurierten Rathauses, einer Schmiede aus dem 13. Jahrhundert, die dem Ort den Namen gegeben hat, ist er dort schließlich fündig geworden. Der ehemalige Stall mit böhmischem Tonnengewölbe wurde freigeräumt und ist jetzt Galerieraum. Ars Nova nennt der promovierte und habilitierte Kultursoziologe die Galerie, in der bis Ende September die erste Ausstellung präsentiert wird. Mit Gabi Hanner zeigt er eine Künstlerin, deren Skulpturen und Grafiken sowie Ölbilder in eine spannende Beziehung zum Raum treten.
 Manfred Wöhlcke in seiner Galerie Ars Nova im Rathaus Hinterschmiding. Im Hintergrund sind Werke von Gabi Hanner zu sehen. ra
Manfred Wöhlcke will als ehrenamtlicher Leiter dieser Galerie im öffentlichen Raum Künstlern und Besucher eine Plattform bieten. Bei der ersten Vernissage waren gleich über 50 Gäste da. Er hat bemerkt: „Die Menschen wollen sich vor Ort orientieren in dem Sammelsurium, das sich oft als Kunst präsentiert.“ Der gebürtige Berliner (Jahrgang 1942) ist weit herumgekommen. Nach der Ermordung seiner Mutter lebte er bei seinen Adoptiveltern in Brasilien, studierte später Soziologie und Kunst, promovierte über die Soziogenese von Religion, schloss eine Habilitation an und arbeitete in Hamburg und Ebenhaus als wissenschaftlicher Politikberater. Zwei Jahre lang hat er auch versucht, von seiner Kunst zu leben. Er hat es am eigenen Leib erfahren, wie schwer eine Künstlerexistenz ist. „In der Großstadt geht es, da kann man sich mit Porträtmalerei über Wasser halten. In einer Gegend wie dem Bayerischen Wald kann man von der Kunst allein nicht leben“, weiß er von seinen zahlreichen Kontakten zur Kunstszene. Manfred Wöhlcke, der gegenständlich malt, hat auch die meiste Zeit seines Lebens nicht von der Malerei gelebt. Neben seinem Beruf hat er rund 30 Bücher publiziert, u. a. bei dtv, Klett und Beck. Themen waren Brasilien, Entwicklungspolitik, Soziale Entropie. Sein größter Erfolg war 1996 „Der Weihnachtsmann. Begegnungen der dritten Art“. Nach Hinterschmiding hat es ihn aus Liebe verschlagen. Hier hat er, der alte Dinge und Architektur liebt, das alte Gemäuer seiner Frau renoviert und als Atelier ausgebaut. In der ländlichen Gemeinschaft ist er kein Fremder mehr: „Die Menschen hier sind tolerant, nur an den langen Winter kann ich mich nicht gewöhnen.“ Dann allerdings hat er wieder viel Zeit zu malen. In der zweiten Ausstellung in der Galerie Ars Nova zeigt er eigene Werke und Plastiken Reinhard Maders, dessen Werk rein zufällig neben seinem bei einer Ausstellung in Kaufbeuren platziert war. „Conditio Humana“ heißt die Schau, die ab 29. September in Ars Nova im Rathaus von Hinterschmiding zu sehen ist. Edith Rabenstein
Ars Nova, Rathaus Hinterschmiding, geöffnet Mo. bis Fr. von 8 bis 17 Uhr oder nach Absprache unter: 08551/914470. |