Aufträge der Firma Ortinger können zu 90 Prozent erfüllt werden - Gutachter entscheidet ob Halle saniert wird von Gregor Wolf Sonndorf. Vor der Halle türmen sich Schuttberge. Innen drin liegt immer noch der Geruch von Verbranntem in der Luft. Ein paar verschmorte Maschinen befinden sich immer noch an ihren angestammten Plätzen. Ludwig Mayerhofer, Geschäftsführer des Holzverarbeitungsbetriebs Ortinger, geht durch seine Produktionshalle. Es ist ein bedrückendes Bild. Doch Mayerhofers Blick ist nach vorn gerichtet. Das Geschäft muss weitergehen. Es war vor einer Woche, als er aus dem Schlaf gerissen wurde: In seiner Firma brennt es. Sofort machte sich Mayerhofer auf den Weg ins Gewerbegebiet Sonndorf. „Als ich die Szenerie gesehen habe, war mir sofort klar, dass es sehr schwer sein würde den Brand in den Griff zu bekommen.“ Er sollte Recht behalten. Über 100 Feuerwehreinsatzkräfte kämpften dort gegen die Flammen - und für seine Existenz. Doch trotz aller Anstrengungen brannte das Gebäude nieder. Ein Silo und die nahe gelegene Holzlagerhalle konnten vor den Flammen geschützt werden.
 Ludwig Mayerhofer vor zwei der drei zerstörten Maschinen, die erst dieses Jahr angeschafft worden sind. Der Gesamtwert liegt allein hier bei 200 000 Euro.Wolf
 Vor der zerstörten Produktionshalle türmen sich nun Schuttberge. Fleißige Mitarbeiter und Helfer sind seit Tagen am Ausräumen.

Eine Tragödie, ausgerechnet in einer Zeit, in der die Firma viele Aufträge hat. Um diese auch bearbeiten zu können, erfährt Mayerhofer derzeit von allen Seiten Hilfe. Vor allem von seinen Nachbarn, der Firma Seaquist-Löffler. Noch in der Nacht habe ihn Firmeninhaber Hermann Löffler angerufen und seine Unterstützung zugesagt. Da durch den Brand auch die Büroräume zerstört wurden, musste man schnell Ausweichräumlichkeiten finden um den Betrieb am Laufen zu halten und vor allem auch die mit dem Brand verbundenen Verwaltungsaufwendungen zu bewältigen. Seitdem ist die Verwaltung der Firma Ortinger vorübergehend in Räumlichkeiten der direkt in der Nachbarschaft stehenden Lagerhalle von Seaquist-Löffler untergebracht. Für Hermann Löffler war diese Art der Nachbarschaftshilfe selbstverständlich. „Man hat sich auch früher gegenseitig geholfen und da wir in unmittelbarer Nähe zueinander angesiedelt sind, muss man in solchen Situationen einfach zusammenhalten. Außerdem standen die Räume sowieso leer, da ist es doch überhaupt keine Frage, dass wir Hilfe anbieten.“ Doch auch andere holzverarbeitende Betriebe aus der Region greifen dem Sonndorfer Unternehmer unter die Arme. „Mit Hilfe unserer Kollegen aus der Region als auch durch befreundete Unternehmen des Bundesverbandes werden wir unsere aktuellen Aufträge zu rund 90 Prozent erfüllen können. Sicherlich kann es bei einigen Artikeln, auf die wir spezialisiert sind, zu Engpässen kommen, aber dafür zeigen unsere Kunden in Hinblick auf unsere momentane Situation durchaus Verständnis.“ Der Holzverarbeitungsbetrieb beschäftigt momentan 20 Mitarbeiter, kann allerdings nicht auf eine Betriebsunterbrechungsversicherung zurückgreifen. Daher werden die weiblichen Beschäftigten wohl oder übel kurzzeitig ausgestellt, der männliche Teil der Belegschaft wird vorerst bei den Aufräum- und Aufbaumaßnahmen zur Hand gehen. „Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sich auch hier einige kurzfristig arbeitslos melden müssen.“ Die Firma Ortinger wurde bereits 1997 und 2003 von kleineren Bränden heimgesucht, Brandursache war jeweils ein technischer Defekt im Bereich eines Förderbands. Die Schwachstelle wurde durch die Auslagerung aus der Halle beseitigt. Der Produktionsbetrieb konnte bei den Bränden schon nach wenigen Tagen wieder aufgenommen werden, nun beim dritten Unglück wird dies wohl länger dauern. Jetzt heißt es warten bis der Gutachter kommt, denn sein Urteil wird entscheiden, was mit der Halle passiert und wie viel Geld die Versicherung zum Wiederaufbau zur Verfügung stellt. Momentan schaut es aus, als würden die Außenmauern stehen bleiben und einer Restauration unterzogen.
Mit dem Wiederaufbau gehe auch ein neues Brandschutzkonzept einher. Ganz wichtig hierfür sei, dass bei den anstehenden baulichen Maßnahmen auf andere Baustoffe gesetzt wird, die eine leichtere Löschbarkeit im Falle eines erneuten Brandes ermöglichen würden. Denn „vor einer Brandkatastrophe wie dieser ist man in unserer Branche nie sicher, da in Holzverarbeitungsbetrieben zwangsweise immer viel leicht brennbares Material in der Produktion gelagert ist“. Die Brandursache ist noch immer unklar. Was zu Diskussionen geführt hat, ist die mangelnde Versorgung mit Löschwasser in dem Gewerbegebiet. Thematisiert wird dies am Montag in der Sitzung des Hinterschmidinger Gemeinderates.
|