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Passauer Neue Presse 3.5.07 Lokalteil Freyung Seit fast 40 Jahren trifft sich in Hinterschmiding alles, was in Chor- und Orchestermusik Rang und Namen hat Hinterschmiding (pnp). Was hat das Dorf Hinterschmiding, was andere Gemeinden im Bayerischen Wald nicht haben? Was zieht jedes Jahr in der Pfingstwoche ganze Musikantenscharen nach Hinterschmiding zur Chor- und Orchesterwoche des Arbeitskreises für Musik in der Jugend (AMJ)? Es müsse wohl der besondere genius loci, der Geist des Ortes sein, der solch eine spezielle Anziehungskraft besitzt, vermutet Ulrich Gerlinger. | | So arbeiteten die Musiker im vergangenen Jahr: Eine Woche lang haben 150 Sänger im Vorfeld der Chor- und Orchesterwoche geprobt. Seidl | Der 58-jährige Journalist und Musiklehrer aus Kernen bei Stuttgart ist regelmäßig bei der Chorwoche vertreten. Nicht nur für ihn ist dieses Musikfest eine feste Konstante. Zum Leben der Musikfreunde in Süd-Deutschland und Österreich gehört das Festival genauso dazu wie für die Wirtschaft des Dorfes Hinterschmiding. Über eine Bekannte hatte Ulrich Gerlinger von dem Festival im Bayerwalddorf erfahren, in diesem Jahr sieht er es sich schon zum dritten Mal an.
Die Musikwoche beginnt mit einem Gottesdienst am Pfingstsonntag, ein gern absolviertes „Muss“ für alle Sänger und ein gern gehörter Einstieg in die Herzen der Hinterschmidinger. Nicht ganz einfach, nach der samstäglichen Anreise gleich etwas für den sonntäglichen Gottesdienst auf die Beine zu stellen. „Fast sollte man meinen, die Pfingstwoche gieße ihre Zungen auf den Chor der Musikwoche aus“, sagt der Journalist Gerlinger aus Baden-Württemberg mit Begeisterung. 150 Musiker zu Gast in Hinterschmiding Für die Schmidinger stellt die Woche den Höhepunkt des Veranstaltungsjahres dar. Wenn 150 Musiker hier unterkommen, sei das schon weltbewegend für das Dorf Hinterschmiding, findet Gerlinger. Entsprechend hat sich die Gemeinde nicht nur ideell, sondern auch finanziell eingebracht. Man übernimmt die Kosten für den zweiten Kammerchor-Referenten und möchte mit der Initiative „5 Tenöre“ auf die Suche nach hohen Männerstimmen gehen, denen man die Teilnehmergebühr erlassen möchte.Ist die 39. Chor und Orchesterwoche nach Experten-Meinung nun international? „Süddeutsch-Bayerisch-Österreichisch, das zählt noch nicht zur Begegnung zwischen Nationen. Aber die elf tschechischen Teilnehmer werden in diesem Jahr eine erfrischende Bereicherung der Veranstaltung sein“, ist er überzeugt. Die Zeit vor der Pfingstwoche ist indessen die besonders wichtige Zeit für das Organisationsteam. Hier ist Gerhard „Bachus“ Bachhuber aus Weßling gefragt, der die Anmeldelisten führt und für die Chor- und Orchesternoten sorgt. In der Fürtherin Juliane Weiher-Reu-ber hat er eine jugendliche Assistentin gefunden. Veranstalter sind die Katholische Erwachsenenbildung Freyung-Grafenau, der Arbeitskreis Musik in der Jugend (AMJ), der Kulturkreis Freyung-Grafenau, die Gemeinde Hinterschmiding, der Musik-und Heimatverein Hinterschmiding sowie die Euregio Bayerischer Wald/Böhmerwald/Unterer Inn. Schon Gottfried Wolters, vom Chronisten Dr. Helmut Wagner „mit musikantischer und spürbar jugendbewegter Impulsivität ausgestattet“, lockte von 1968 bis 1981 ganze Sängerscharen in den Wald. „Sein Nachfolger Erwin Ortner arbeitet reflektierter und bewusster in der Differenzierung linearer Abläufe, in der Textausdeutung und in der Realisierung der Klangstrukturen“, so Gerlingers Einschätzung. Nachwuchstalent bei künstlerischer Leitung Der Wiener Professor für Chorleitung schickte im Jahr 2006 Martin Fuchsberger, seinen besten Studenten, Jahrgang 1980, als Künstlerischen Leiter nach Schmiding, nachdem er ihn schon im Jahr zuvor mit Assistenz-Arbeiten vorgestellt hatte. „Ein Generationenwechsel, der dem etwas in die Jahre gekommenen Schmidinger Stammpublikum nur gut tun konnte“, resümiert der Journalist aus Baden-Württemberg. „Musik bestimmt mein Leben“, so lautet das eindeutige Motto Michael Grohotolskys. Der Wiener Lehrbeauftragte im Bereich Dirigieren an der Uni für Musik hat die Leitung des Kammerchors A übernommen, der sich mit Heinrich Schütz und Henry Purcell beschäftigen wird. Sein Kollege Andreas Peterl, als Kirchenmusiker ebenfalls in der österreichischen Hauptstadt tätig, hat sich im Kammerchor B für Claudio Monteverdi (Cantate Domino), Johann Hermann Schein und die weniger bekannten Komponisten Waldemar Ahlen und Wolfgang Sauseng entschieden. Was für das Orchester die Register-Betreuer sind, wollen bei den Sängern die Stimmbildner sein. Das heißt für die Choristen, dass sie nicht nur nach einigen spärlichen Einsinge-Übungen loslegen müssen, sondern auch im stillen Kämmerlein stimmspezifische Hinweise und Ratschläge erhalten. Die Salzburger Sängerin Silvia Funes möchte ihr Wissen an die Schmidinger „Neigungs-Musiker“ weitergeben. Wenn es um Einzelarbeit bei den Instrumentalisten geht, liest man Namen wie Michael Beck (Blechbläser), Bernd Krickl (Holzbläser) und Franz Ortner (Cellisten). „Ganz wichtig für ein Laien-Orchester ist die Besetzung des Konzertmeisters“, weiß Ulrich Gerlinger. In Hinterschmiding ist es Bojidara Kouzmanova, die als Violin-Solistin in Wien arbeitet. Der Coburger Knut Gramß gehört zum Urgestein der Musikwoche. Er ist für die Historischen Instrumente zuständig. In diesem Jahr soll seine Gruppe mit Flöten und Gamben, Krummhorn und Fidel nicht nur so „am Rande“ aufspielen, sondern zum Kern des Programms vorstoßen. Der „Sommernachtstraum“ nach William Shakespeare steht im Mittelpunkt, und die Alten Instrumente kommen bei Henry Purcell zu ihrem Recht. Roswitha Derschmidt mit ihrem Volkstanz ist am Ende der Liste verzeichnet; für viele Tänzer ist der nachmittägliche und abendliche Tanz eine wahre Labsal für Leib und Seele. Und jetzt wird auch offensichtlich, warum in diesem Jahr zum 1. Mal ein Regisseur im Flyer der Referenten aufgeführt ist. Nils Cooper aus Essen hat sich nach einem Gesangsstudium der Regiearbeit zugewandt. Letztes Jahr noch als Stimmbildner und Vokalsolist tätig, trägt Cooper dieses Jahr die Verantwortung für die Realisierung des „Sommernachtstraums“. Turnhalle wird zum Theatersaal Für Henry Purcells „Fairy Queen“ und Mendelssohns bekannte Bühnenmusik zu der Shakespeareschen Komödie soll dann am Samstag, 2. Juni, die Turnhalle zu einem Theatersaal werden, mit Dekorationen und Lichteffekten. Um dem Chor weitere Aufgaben zu stellen, hat der Künstlerische Leiter Fuchsberger die doppelchörigen „Fest- und Gedenksprüche“ von Johannes Brahms ausgesucht, ein auch für erfahrene Chorsänger schwieriges Werk. Nicht zu vergessen die Chorsätze, die in den Kammerchören unter Michael Grohotolsky und Andreas Peterl geprobt werden, und die im Geistlichen Konzert am Freitag, 1. Juni, in der Kirche aufgeführt werden sollen. Da sich während solch einer Woche auch immer kammermusikalische Kleingruppen bilden, erhalten sie am Freitag ein Podium für ihre Bemühungen. Die Chor- und Orchesterwoche findet vom 26. Mai bis 3. Juni statt. Die Teilnehmer sind drei Mal zu erleben: am Pfingstsonntag, 27. Mai, um 10 Uhr beim Gottesdienst in der Pfarrkirche und bei den Abschlusskonzerten am Freitag, 1. Juni, um 19.30 Uhr in der Pfarrkirche und am Samstag, 2. Juni, um 19.30 Uhr in der Turnhalle. Infos bei der KEB unter Tel. 08551/4581 und auf der KEB-Homepage www.keb-freyung.de. |