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PNP : Das Breitband schwebt am Haken heran Drucken E-Mail
Geschrieben von PNP : 04.04.2007   

Hubschrauber bringt Antenne für Funk-DSL zum Haidel-Turm - Bürgermeister und Landrat: „Das ist ein guter Tag“

von Annette Weilermann
Grainet.
Eigentlich sollte gestern ein Hubschrauber vor den Augen zahlreicher Lokalpolitiker den Sender für Funk-DSL auf den Haidel-Turm fliegen. Aber nachdem der Pilot früh morgens den Wetterbericht hörte, schmiss er die Planungen über den Haufen: Denn es sollte nachmittags zu regnen beginnen. Also wurde der Sender bereits im Vormittag installiert.
Als die Ehrengäste auf dem Haidel-Turm standen, drehte der Hubschrauber nur zur Show einige Runden. Aber die gute Stimmung war dadurch keineswegs getrübt. Nach einem „zähen Kampf“ um DSL sei „es ein guter Tag für uns“, sagte Landrat Alexander Muthmann.

Seit über einem Jahr haben vor allem die Bürgermeister aus Philippsreut, Hinterschmiding und Haidmühle sich darum bemüht, für ihre Gemeinden einen DSL-Anschluss zu bekommen. Einziger Anbieter und Verhandlungspartner war die Telekom. „Wir hätten 92 Anschlüsse benötigt“, berichtet Philippsreuts Bürgermeister Alfred Schraml.
„Falls es zu wenig Interessenten gegeben hätte, wäre die Gemeinde mit 640 Euro plus Mehrwertsteuer pro fehlendem Anschluss zur Kasse gebeten worden. “ Konditionen, die sich keiner hätte leisten können und wollen. Schraml ärgert dieses Angebot noch heute. „Wir müssen auf dem Land für alles betteln, was wo anders Standard ist.“ Schließlich sei eine vernünftige Breitbandanbindung kein Luxusgut mehr.

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 Philippsreuts Bürgermeister Alfred Schraml (rechts) schaute gespannt auf den Hubschrauber - auch wenn dieser bereits im Vormittag die Antenne zum Haidel geflogen hat und quasi nur noch ein paar Ehrenrunden drehte.Weilermann

Um gegenüber Ballungszentren konkurrenzfähig zu werden, hat Schraml nicht aufgegeben, mit seinen Bürgermeister-Kollegen weitergekämpft und nach Alternativen zur Telekom gesucht.
Und ist bei Televersa fündig geworden. Dass es nicht nur bei Worten geblieben ist, steht seit gestern fest. Die Richtfunkantenne für den Landkreis Freyung-Grafenau ist auf dem Aussichtsturm vom Haidel installiert.
Mit dem Sender werden die Basisstationen in den Ortschaften versorgt, die in den nächsten Wochen errichtet werden sollen. „Bis jetzt sind in den Kommunen Philippsreut, Haidmühle, Hinterschmiding, Jandelsbrunn und Freyung sechs Standorte geplant“, berichtet Harald Krostewitz, Projektleiter bei Televersa.
Wer DSL per Funk empfangen will, braucht an seinem Haus nur eine Antenne zu installieren. In vier Wochen sollen die ersten Haushalte Funk-DSL erhalten. „Bis Ende des Jahres wollen wir 60 bis 65 Prozent der besiedelten Flächen in der Region versorgen.“
Ende 2009 soll die Quote auf 85 bis 90 Prozent angewachsen sein, so Krostewitz. Hoffnungsvolle Worte für Landrat Muthmann und die betroffenen Bürgermeister. „Ich hoffe, dass Sie die kleinen Orte nicht vergessen - und es Ihnen nicht nur um das Filetstück, also den Standort am Haidel, ging“, sagte Schraml.
Unterstützt wurde er dabei auch von Hinterschmidings Bürgermeister Heinrich Lenz. „Ich wünsche mir, dass Sie Akzente setzen und vielleicht eine Musterkommune entsteht. Also ein Modell für Bayern.“
Etwas wehmütig waren die Gemeindeoberhäupter nur bezüglich des Standortes der Antenne direkt auf dem Dach des Haidel-Turmes. Schließlich steht nur hundert Meter daneben der Funkmast der Telekom, wo noch ausreichend Platz gewesen wäre.
„Das war so teuer, dass ich die Lust daran verloren habe“, sagte Krostewitz. 15 000 Euro hätte die Telekom pro Monat verlangt. „Der Preis, den ich sonst bezahle, liegt zwischen 450 und 500 Euro.“ Auf dieses Angebot könne man verzichten. Dass die Antenne auf dem Turm installiert werden konnte, dafür müsse man sich vor allem beim Forstbetrieb Neureichenau und beim Waldverein bedanken. „Wenn die nicht ihr OK gegeben hätten, säßen wir heute nicht hier“, sagte Alfred Schraml.

Trotz aller Freude musste Krostewitz noch einige Fragen beantworten. Was wenn es schneit oder stürmt? Ist die Funkleistung dann beeinträchtigt? Krostewitz konnte dies mit einem deutlichen Nein beantworten. In Oberbayern seien solche Antennen bereits installiert. „Sie alle haben Sturm und Schnee überstanden.“ Außerdem nutze Televersa die selbe Technologie wie beim Mobilfunk. Und schließlich kann man ja auch im Winter mit dem Handy telefonieren, ergänzte Landrat Muthmann.

Er hatte allerdings noch eine ganze andere Frage. „Erwarten Sie, dass eine Diskussion bezüglich der Strahlung losgeht?“ Diese Diskussionen könne man nicht vermeiden, sagte Krostewitz. „Aber wir fürchten sie nicht.“ Televersa hätte vom TÜV ein Gutachten erstellen lassen.
Demnach würden die DSL-Funk-Antennen mit einem Watt Leistung rund 200 Teilnehmer in einem Umkreis von fünf Kilometer versorgen. „Ein Handy sendet auch mit einem Watt.“ Die Belastung von DSL-Antennen sei also im Vergleich zu Mobilfunk-Antennen 400 Mal geringer.

NÄHER BETRACHTET ...
... ist das Engagement von Televersa ein Glücksfall für die Region. Jahrelang haben gerade die Grenzgemeinden wie Haidmühle, Philippsreut, aber auch Hinterschmiding, vergeblich für einen Anschluss ans Hochgeschwindigkeits-Internet gekämpft. Doch der Branchenriese Telekom als Herr über das Kabelnetz hat sie mit Knebelbedingungen immer wieder ins Leere laufen lassen (wir berichteten mehrfach). Das kühle Argument des ehemaligen Staatsbetriebs: DSL gibt’s nur, wenn eine bestimmte Anzahl von Internet-Surfern es bestellt - wird diese Zahl nicht erreicht, müssen die Gemeinden den Fehlbetrag draufzahlen, sonst rechnet sich die Investition nicht. Da kam sich so mancher Bürgermeister nicht zu Unrecht als Bittsteller vor, der um Gnade betteln musste für seine Bürger und Firmen, die ohne DSL hoffnungslos in die Internetröhre schauen.
Doch kaum kündigt ein Konkurrent ein eigenes Netz über Funk an, wird bei der Telekom noch einmal durchgerechnet und - siehe da - plötzlich scheint’s auch ohne Knebel zu gehen. Wie heißt es so schön: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Die Menschen in der Grenzregion haben künftig die Wahl zwischen zwei DSL-Anbietern und werden nicht mehr als Hinterwäldler im weltweiten Netz behandelt.   Christoph Seidl
 
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