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120 Musiker, bestes Publikum und eine Uraufführung |
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Geschrieben von PNP: 01.06.2010
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120 Musiker, bestes Publikum und eine UraufführungZwei Konzerte schlossen die 42. Chor- und Orchesterwoche ab - Musiker aus mehreren Ländern waren eine Woche lang zu Gast 
Das Bläserensemble spielte unter der Leitung von Johannes Hartl (links).Schaub
Von Marita Pletter Hinterschmiding. Gar nicht schnell genug - so schien es - konnten sie sich bewegen, die Scheibenwischer, so intensiv und ununterbrochen platzte und prasselte der Regen hernieder aufs Auto auf dem Weg zum Abschlusskonzert der Chor- und Orchesterwoche Hinterschmiding.
Und gar während des Konzerts sollte man vor dem Regen keine Ruhe haben, denn: „Es geht eine dunkle Wolke herein/Mich deucht es wird ein Regen sein/ein Regen aus den Wolken/Wohl in das grüne Gras/ldquo;, sang ungerührt der Kammerchor B. Diesem „Regen“ freilich nach einer Komposition Johann Nepomuk Davids lauschten denn die Zuhörer wesentlich lieber, wohltönend interpretiert unter Leitung des Wiener Kirchenmusikers Andreas Peterl im eher prosaischen Umfeld der nahezu vollbesetzten Hinterschmidinger Turnhalle.

Der Kammerchor A unter der Leitung von Ansver Sobtzick sang die Zigeunerlieder von Johannes Brahms.
Zwar ist Peterl Kirchenmusiker, doch brachte er mit seinem „Chor B“ vornehmlich Säkulares zur Aufführung. So brillierten die Sänger mit der Literatur Ferenc Farkas’, der eines Hans Haselböck („Kume kum, Geselle min“) oder Zoltan Kordalys blutrünstigen „Bildern aus der Matra-Gegend“, vom Chor nicht nur ausgezeichnet interpretiert, sondern ebenso seitens des Dirigenten nicht ohne Witz verbal kommentiert. Von daher jedenfalls wär’s schade gewesen, hätte sich Peterl an die Devise gehalten, wonach ein Anonymus-Stück aus dem „Liederbuch der Margarete von Österreich“ titelt: „Je ne dis mot“ („Ich sag’ kein Wort“) heißt es da. Jene lyrische Weise gehört zu den sog. Frauenliedern. Es sind älteste poetische Zeugnisse, welche die volkssprachliche Dichtung des Mittelalters musikalisch überliefert, denen immense kultur- und literaturhistorische Bedeutung zukommt. Demnach auch wortlos interpretierten dieses „Je ne dis mot“ einige Teilnehmer der Chor- und Orchesterwoche auf sehr alten historischen Instrumenten (Leitung Knut Gramß), so etwa dem sog. Dulzian, einem Vorläufer des Fagott, auf der Schalmei, auf Flöten der Renaissance; sinnenfroher Genuss für die lebhaft applaudierenden Zuhörer in der nüchternen Turnhalle. Die Klettersprossen an den Wänden hatten einige sportliche junge Besucher erklommen, um besser sehen zu können. Denn die Musiker agierten nicht auf, sondern vor der Bühne. Und sie spielten nicht nur, sondern von Juan del Encinas „unglücklichem Spanier“ wussten sie denn gar auch ein Lied zu singen. Viel „Anonymus“ führen sie im Repertoire: „Lamentanza“, aber ebenso Geistliches „Christ ist erstanden“ (München 1583) Aber im Unterschied zum zweiten Abschlusskonzert des darauf folgenden Tages in der Hinterschmidinger Pfarrkirche (siehe Kasten), war es am Vorabend eher Intention der Verantwortlichen, die beachtliche Bandbreite dieser nun bereits traditionellen Veranstaltung zu demonstrieren. Alljährlich nehmen an der Chor- und Orchesterwoche gesanglich und instrumental hoch ambitionierte und talentierte Menschen jeden Alters teil, die - von Profis angeleitet und unterrichtet - aus ganz Deutschland anreisen wie auch aus dem Ausland. Unmittelbar vor dem Konzert konnte man sehen, wie sie sich in den Gaststätten Hinterschmidings, wo sie zum Teil untergebracht waren, beim Essen stärkten und in verschiedenen Sprachen lebhaft unterhielten: ausschließlich über die Musik, hatte man den Eindruck. Und wie sehr auch die Musik diese Leute erfüllt, das mochten die Besucher in der Turnhalle spüren, bei all der atmosphärischen Dichte. Die spiegelte sich auch in jenen Stücken, welche die Streicher (Leitung Erntraud Passin), die Holzbläser (Leitung Günther Passin) zur Aufführung brachten: in Mozarts Quartett für Flöte D-Dur, wo die Flöte als Solo-Instrument die Streicherklänge kontrastierend dominiert - empfindsam, begleitend, im Wechselspiel. Ebenso mit Agogik präsentierten die Holzbläser Telemans Konzert für fünf Flöten wie Edvard Griegs „Ave Maris Stella“ Und auch beileibe nicht frei von Spiritualität sind Leidenschaft, Melancholie, Seelentiefe der Brahmsschen „Zigeunerlieder“ op. 103, welche der Kammerchor A unter seinem Dirigenten Ansver Sobtzick feurig zur Aufführung brachte. Bereits zuvor waren die Mitglieder dieses Klangkörpers hinsichtlich bunten Kopfschmuckes und abenteuerlichen Outfits aufgefallen. „Zigeuner“-like die lebensfrohen Farben. Voller Lebensfreude auch die Klangfarben der Stimmen, während am Klavier Marianne Anton diese schönen von der ungarischen Volksmusik befruchteten Melodien begleitete. „Brauner Bursche führt zum Tanze“ heißt es im fünften dieser Lieder.
„Musikalischer Bursch“, der auch tanzen kann Wenn er auch kein brauner Bursche ist, so doch ein sehr musikalischer und tanzen kann er auch: der künstlerische Leiter der Chor-und Orchesterwoche, Martin August Fuchsberger. Das stellte er unter Beweis, als er am Ende zusammen mit der Alt-Instrumentalistin, Roswitha Derschmidt nach der Musik der Blechbläser einen „Boarischen“ hinlegte, „dass es nur so eine Art hatte“, wie das immer in den Märchen heißt; und noch einen Tanz gab’s, Brahms Ungarischen Nr.5. Sehr gut kamen sie an beim jubelnden, trampelnden Publikum: die Blechbläser unter Johannes Hartls Leitung. Schon allein daher mochten sie denn wohl sinnigerweise das „Let it be“ der Beatles gerne intoniert haben, bevor am Ende alle Chöre gemeinsam auf der Bühne einen Jodler namens „Hoi-ho-da-re“ zelebrierten, der zwar kein Andachtsjodler war, aber andächtig klang. |
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